Ankertext
Der Ankertext, auch Linktext oder Anchor Text genannt, ist der sichtbare und klickbare Text eines Links. Er zeigt Lesern, Screenreadern und Suchmaschinen, wohin der Link führt.
Was ist ein Ankertext?
Ein Ankertext ist der Teil eines Links, den Leser sehen und anklicken, während die Zieladresse im HTML-Code verborgen bleibt. Google nennt ihn in seiner Dokumentation auch Linktext, im Englischen heißt er Anchor Text. Verbreitet sind außerdem die Schreibweisen Anchortext und Anker-Text. Der Name stammt aus HTML. Das Element für Links heißt dort a für anchor, und der HTML-Standard beschreibt ein solches Element mit Zieladresse als Hypertext-Anker, der durch seinen Inhalt beschriftet wird.
Im Code steht ein Link als a-Element, im SEO-Jargon meist a-Tag genannt. Das Attribut href enthält die Ziel-URL, zwischen öffnendem und schließendem Tag steht der Ankertext. Für SEO zählt diese Form, weil Google Links laut seinen Link-Best-Practices (Stand 12/2025) im Allgemeinen nur dann crawlen kann, wenn sie als a-Element mit href-Attribut im Code stehen. Ist das Element leer, kann Google ersatzweise das title-Attribut des Links als Ankertext verwenden. Für Leser bleibt ein solcher Link trotzdem unsichtbar.
<a href="https://example.com/tagesgeld">Tagesgeldzinsen im Vergleich</a>1
<a href="/rechner"><img src="icon.svg" alt="Tagesgeldrechner öffnen"></a>2
<a href="/kfz/bedingungen" title="Bedingungen der Kfz-Versicherung"></a>3
- 1Textlink. Der sichtbare Text zwischen den Tags ist der Ankertext,
hrefnennt das Ziel. - 2Bildlink. Steht nur ein Bild im Link, nutzt Google dessen
alt-Attribut als Ankertext. - 3Leerer Link. Google kann ersatzweise das
title-Attribut nutzen, Leser sehen keinen Text.
Arten von Ankertexten mit Beispielen
In der SEO-Praxis werden sechs Arten von Ankertexten unterschieden, nämlich exakte und teilweise Keyword-Anker, Brand-Anker, nackte URLs, generische Texte und Bildlinks. Sie unterscheiden sich darin, wie viel sie über das Ziel verraten und ob sie dessen Keyword enthalten. Google selbst verwendet diese Einteilung nicht, sie hilft aber, eigene Links und fremde Backlinks zu beschreiben.
Welche Art passt, hängt vom Ort des Links ab. Im eigenen Fließtext darf ein Ankertext das Keyword der Zielseite enthalten, wenn er damit das Ziel beschreibt. Bei Backlinks fällt eine Häufung exakter Keyword-Anker dagegen auf, wie der Abschnitt zur Überoptimierung zeigt. Generische Ankertexte wie „hier“ ergeben nur zusammen mit dem Satz davor einen Sinn, und ein Bildlink enthält gar keinen sichtbaren Text.
Ankertext bei Bildlinks
Bei einem verlinkten Bild nutzt Google laut seinen Link-Best-Practices das alt-Attribut des Bildes als Ankertext. Der Alt-Text eines Bildlinks beschreibt deshalb das Ziel oder die Aktion des Links, nicht das Motiv. Für das Logo einer fiktiven Musterbank, das zur Startseite führt, passt „Musterbank Startseite“ besser als „Logo“. Sind Alt-Text und Linktext leer, hat der Link weder für Google noch für Screenreader einen Namen. Die Search Console führt Backlinks ohne Text, etwa Bildlinks, im Bericht „Links“ unter den häufigsten Linktexten als „(leer)“. Wie Alt-Texte für Bilder allgemein formuliert werden, erklärt der Artikel zum Alt-Tag.
Ankertext und SEO: wie Google Linktexte nutzt
Google liest den Ankertext als Beschreibung der verlinkten Seite. In seinen Link-Best-Practices schreibt Google, der Ankertext informiere Nutzer und Google über den Inhalt der Seite, auf die verlinkt wird. Je besser der Ankertext sei, desto besser verstehe Google den Inhalt der verlinkten Seite.
Google nutzt Ankertexte seit seinen Anfängen. Sergey Brin und Larry Page beschrieben 1998 in ihrem Forschungspapier zu Google, dass ihre Suchmaschine den Text eines Links nicht nur der Seite zuordnet, auf der er steht, sondern auch der Seite, auf die er zeigt. Ankertexte beschrieben Webseiten oft treffender als die Seiten selbst, begründeten sie. Außerdem ließen sich so auch Seiten finden, die nie gecrawlt worden waren. Umgesetzt hatte die Idee laut dem Papier schon 1994 die Suchmaschine World Wide Web Worm.
Spuren davon zeigt Googles Dokumentation zu Titellinks (Stand 12/2025). Zu den Quellen, aus denen Google den Titel eines Suchergebnisses bildet, zählen Ankertexte auf der Seite und Texte in Links, die auf die Seite verweisen. Kann Google eine Seite nicht abrufen, etwa weil die robots.txt das Crawling verbietet, greift es für den Titellink unter Umständen auf Ankertexte anderer Websites zurück. Auch Nofollow-Links wertet Google seit dem 10.09.2019 als Hinweis, statt sie ganz zu ignorieren. Als Grund nannte Google, dass Links unter anderem verraten, wie ihre Wörter den Inhalt der Zielseite beschreiben.
Wie stark der Ankertext ins Ranking eingeht, veröffentlicht Google nicht. Er sagt Google, worum es auf der Zielseite geht. Wie viel Gewicht ein Link überträgt, beschreibt dagegen das Modell des PageRanks.
Gute Ankertexte schreiben
Gute Ankertexte nennen in wenigen Worten, was hinter dem Link steht, und fügen sich in den Satz ein. Google beschreibt guten Ankertext als aussagekräftig, prägnant und relevant für die Seite, auf der er steht, und für die verlinkte Seite. Daraus und aus einer Empfehlung des W3C ergeben sich fünf Regeln.
- Das Ziel benennen. „Tagesgeldzinsen im Vergleich“ sagt, was folgt, „hier klicken“ oder „Weitere Informationen“ sagen es nicht. Google empfiehlt, nur den Ankertext ohne Umgebung zu lesen und zu prüfen, ob er für sich allein verständlich ist.
- Kurz bleiben. Verlinkt wird die Wortgruppe, die das Ziel beschreibt, nicht der ganze Satz. Eine feste Länge nennt Google nicht.
- Im Satz verlinken. Die Wörter vor und nach dem Link geben Kontext. Mehrere Links direkt hintereinander sind laut Google schwer zu unterscheiden.
- Keine Keywords stopfen. Ein Keyword gehört in den Ankertext, wenn Leser es brauchen, um das Ziel zu verstehen. Überflüssige Keywords verstoßen laut Google gegen seine Spamrichtlinien.
- Gleiche Ziele gleich benennen. Links auf dieselbe Seite tragen möglichst denselben Text, Links auf verschiedene Seiten verschiedene Texte. Das W3C nennt beides bewährte Praxis für barrierefreie Links.
Auf bestehenden Websites beginnt die Linktext-Optimierung mit einer Bestandsaufnahme. Ein SEO-Crawler listet alle Links mit ihrem Ankertext auf. Unspezifische Texte wie „mehr“ oder „hier“ und Bildlinks ohne Alt-Text lassen sich so finden und durch beschreibende Linktexte ersetzen.
Ankertexte und Barrierefreiheit (WCAG 2.4.4)
Für barrierefreie Links muss sich der Zweck jedes Links aus dem Ankertext allein oder aus dem Ankertext zusammen mit seinem Kontext ergeben. So verlangt es das Erfolgskriterium 2.4.4 „Link Purpose (In Context)“ der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) des W3C auf der niedrigsten Konformitätsstufe A. Als Kontext zählen laut W3C derselbe Satz, derselbe Absatz, derselbe Listenpunkt oder dieselbe Tabellenzelle. Der Grund sind Hilfsmittel wie Screenreader, die alle Links einer Seite als Liste vorlesen können. In dieser Liste fehlt der umgebende Text. Auf Stufe AAA verlangt Kriterium 2.4.9, dass sich der Zweck jedes Links auf Wunsch allein aus dem Linktext erschließen lässt. In Deutschland gilt für Bankdienstleistungen, die nach dem 28.06.2025 für Verbraucher erbracht werden, zudem das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das der Artikel zum Alt-Tag einordnet.
Wie oft Ankertexte ihr Ziel nicht nennen, zeigt eine KKP-Stichprobe vom 07.10.2026. Ausgewertet wurden alle 1.890 Links auf zehn Ratgeber- und Vergleichsseiten, je den beiden ersten organischen Treffern dieser Art zu fünf Finanzsuchanfragen wie „tagesgeld vergleich“. Bei 91 Links, also 4,8 %, nannte der Text ohne Umgebung kein Ziel. Sie standen auf 5 der 10 Seiten. Davon führten 70 zu Angeboten, Vergleichen oder Produkttests, allein 49 mit dem Text „Zum Angebot“. Weitere 15 standen im Cookie-Banner einer Seite. Zusätzlich hatten 27 Links gar keinen lesbaren Namen, also weder lesbaren Text noch Alt-Text oder eine Beschriftung für Screenreader per aria-label oder title. Ob ein Link wie „Zum Angebot“ gegen WCAG 2.4.4 verstößt, hängt vom Kontext ab, etwa davon, ob dieselbe Tabellenzelle den Anbieter nennt.
Überoptimierte Ankertexte und Ankertext-Verteilung
Überoptimiert heißt ein Ankertext, der Keywords für Suchmaschinen enthält statt einer Beschreibung für Leser. Bei Backlinks zeigt sich Überoptimierung vor allem als Muster, wenn viele fremde Links denselben Keyword-Anker tragen. Google zählt gezielt gesetzte Keyword-Anker in seinen Spamrichtlinien (Stand 09/2026) zum Link-Spam. Als Beispiele nennt Google Links mit optimiertem Ankertext in Artikeln, Gastbeiträgen oder Pressemitteilungen, die auf anderen Websites verbreitet werden, Links mit übermäßig vielen Keywords in Widgets und Forenkommentare mit optimierten Links in Beitrag oder Signatur.
Historisch steht für die Abwertung solcher Muster vor allem ein Update aus dem April 2012, das als Penguin bekannt wurde. Es richtete sich laut Google gegen Webspam wie Keyword-Stuffing und unnatürliche Linkmuster und konnte das Ranking ganzer Websites senken. Seit dem 23.09.2016 ist Penguin Teil des Kernalgorithmus. Seitdem arbeitet es in Echtzeit und wertet laut Google Spam gezielt ab, statt das Ranking der gesamten Website zu verändern.
Eine ideale Verteilung der Ankertexte im Backlinkprofil gibt Google nicht vor. Prozentwerte für Brand-, URL- und Keyword-Anker, die in Ratgebern kursieren, stammen nicht von Google. In natürlich gewachsenen Profilen kommen meist mehrere Arten vor, weil fremde Websites selbst entscheiden, wie sie verlinken, oft mit dem Namen der Brand oder der Adresse. Welche Linktexte andere Websites verwenden, zeigt die Search Console im Bericht „Links“ unter „Top-verweisender Text“. Google rät, dort zu prüfen, ob andere Websites die eigene Website korrekt beschreiben und ob Spamtext auftaucht. Wie sich ein Linkprofil insgesamt analysieren lässt, erklärt der Artikel zu Backlinks.
Ankertexte bei internen Links und Backlinks
Bei internen Links legt der Betreiber einer Website den Ankertext selbst fest, bei Backlinks entscheidet die verlinkende Website.
Für interne Links rät Google, besonders auf den Ankertext zu achten, weil er Nutzern und Google hilft, die Website zu verstehen und weitere Seiten zu finden. Ein interner Ankertext darf deshalb das Keyword der Zielseite enthalten, solange er das Ziel für Leser beschreibt. Ein Ratgeber zur Baufinanzierung verlinkt seinen Tilgungsrechner etwa mit „Tilgung berechnen“ statt mit „Rechner“. Welche Seiten einander verlinken und wie die Links auf einer Website verteilt werden, behandelt der Artikel zur internen Verlinkung.
Auch ausgehende Links auf andere Websites nennen im Ankertext ihr Ziel, etwa den Titel einer zitierten Studie. Google bezeichnet externe Links als hilfreich, um mit zitierten Quellen Vertrauenswürdigkeit zu zeigen, und rät, Lesern im Kontext zu sagen, was sie erwartet.
Backlinks setzt eine fremde Website, und ihr Ankertext zeigt, wie andere die verlinkte Seite beschreiben. Deshalb lässt sich der Ankertext von Backlinks nicht vorgeben, ohne in die Nähe von Link-Spam zu geraten. Wer Partnern oder Autoren von Gastbeiträgen einen exakten Keyword-Anker vorschreibt, erzeugt das Muster, das Google in seinen Spamrichtlinien beschreibt. Verlinkt eine Redaktion dagegen die Brand mit ihrem Namen oder eine Seite mit ihrem Thema, ist das der Normalfall.
Ankertexte in der KI-Suche
Bei ChatGPT bleibt von einem Link im Seitentext, den das Sprachmodell liest, nur der Ankertext übrig. Laut dem Retrieval-Leak, den Peec AI im September 2026 veröffentlicht und KKP im Blog ausgewertet hat, erreicht der Inhalt einer abgerufenen Seite das Sprachmodell von ChatGPT nicht als HTML, sondern als Markdown-ähnlicher Text. Linktexte bleiben darin erhalten, Link-Adressen nicht. Ein Ankertext wie „Tagesgeldzinsen im Vergleich“ trägt dort weiter Information, „hier“ nicht. Die Auswertung steht im KKP-Beitrag zum ChatGPT-Chunking. Die Nennung von Brands in ChatGPT, AI Overviews und AI Mode hing in einer Ahrefs-Studie (12/2025) enger mit Links zusammen, deren Ankertext den Brand-Namen enthält, als mit der Zahl der Backlinks. Einordnung und Grenzen dieser Korrelation stehen im Artikel zur Brand Mention.
Häufige Fragen zum Ankertext
Was ist ein guter Ankertext?
Ein guter Ankertext nennt in wenigen Worten, was auf der Zielseite steht, etwa „Tagesgeldzinsen im Vergleich“ statt „hier“. Laut Google ist guter Ankertext aussagekräftig, prägnant und relevant für die Seite, auf der er steht, und für die verlinkte Seite. Keywords gehören nur hinein, soweit Leser sie brauchen, um das Ziel zu verstehen.
Warum ist „hier klicken“ ein schlechter Ankertext?
Der Ankertext „hier klicken“ sagt nichts über das Ziel des Links. Google stuft solche Linktexte als zu allgemein ein, und wer sich mit einem Screenreader alle Links einer Seite als Liste vorlesen lässt, hört nur „hier klicken“ ohne den Satz davor. Besser ist ein Ankertext, der das Ziel benennt.
Warum ist der Ankertext bei Backlinks wichtig?
Der Ankertext eines Backlinks zeigt, wie eine fremde Website die verlinkte Seite beschreibt. Google nutzt Linktexte laut eigener Dokumentation, um den Inhalt der Zielseite zu verstehen, und unter Umständen für den Titel im Suchergebnis. Gezielt mit Keywords optimierte Ankertexte in Gastbeiträgen oder Pressemitteilungen zählt Google dagegen zum Link-Spam.
Wie lang sollte ein Ankertext sein?
Eine feste Wort- oder Zeichenzahl für den Ankertext nennt Google nicht. Er sollte so kurz wie möglich und so lang wie nötig sein, um das Ziel zu benennen. Google zeigt als Negativbeispiel einen Link über einen ganzen Satz und empfiehlt, nur die Wortgruppe zu verlinken, die das Ziel beschreibt.
Welcher Text gilt bei Bildlinks als Ankertext?
Bei einem verlinkten Bild nutzt Google das alt-Attribut des Bildes als Ankertext. Der Alt-Text eines Bildlinks nennt deshalb das Ziel, etwa „Tagesgeldrechner öffnen“, und nicht das Motiv. Fehlt er und steht kein Text im Link, hat der Link weder für Google noch für Screenreader einen Ankertext.
Weiterführende Ressourcen und Quellen
- Google Search Central (Stand 12/2025): Link-Best-Practices für Google, Abschnitte Ankertextplatzierung und Guten Ankertext verfassen
- Google Search Central (Stand 12/2025): Titellinks in Suchergebnissen beeinflussen
- Google Search Central (Stand 09/2026): Spamrichtlinien für die Google Websuche, Abschnitt Link-Spam
- Search Console-Hilfe (abgerufen 07.10.2026): Bericht „Links“, Top-verweisender Text
- Google Search Central Blog (23.09.2016): Penguin is now part of our core algorithm
- Brin, Page (1998): The Anatomy of a Large-Scale Hypertextual Web Search Engine, Abschnitt 2.2 Anchor Text, Stanford University
Einsatz von künstlicher Intelligenz
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