Die Finanz- und Versicherungsbranche hat im ersten Halbjahr 2026 laut e-dialog 39,3 % weniger organischen Traffic als im Vorjahreshalbjahr, der stärkste Rückgang von sieben ausgewiesenen Branchen. Im Panel der Agentur (74 Websites, 1,2 Milliarden Sessions) lag der organische Traffic im zweiten Quartal 2026 insgesamt 20,3 % unter dem Vorjahresquartal. In der ersten Ausgabe der Studie war die Branche organisch noch um 2 % gewachsen (Vorjahresvergleich, Stand Dezember 2025). Die AI-Referrals, also Besuche über Links aus KI-Systemen, haben sich gegenüber dem Vorjahreshalbjahr verdreifacht, gleichen mit 0,9 % Anteil am erfassten Such- und KI-Traffic den Verlust aber nicht aus. Banken und Versicherer sollten deshalb neben den Sessions messen, ob ihre Brand in KI-Antworten genannt und empfohlen wird.
Was hat die e-dialog-Traffic-Studie gemessen?
Die e-dialog-Traffic-Studie misst, wie sich die Sessions von 74 Websites aus zwölf Branchen in Österreich, Deutschland, der Schweiz und international vom ersten Quartal 2024 bis zum zweiten Quartal 2026 entwickeln, zusammen 1,2 Milliarden Sessions. Erfasst sind drei Kanäle: Organic Search (organischer Traffic, also Besuche über unbezahlte Suchergebnisse), Paid Search und AI-Referrals. Herausgeber ist die Wiener Digitalagentur e-dialog, die zweite Ausgabe erschien am 3. August 2026.
Direktaufrufe (Direct), Social, E-Mail und Verweise anderer Websites erfasst die Studie nicht, veröffentlicht sind nur aggregierte Werte. Ihr „Gesamttraffic“ ist laut Nachrechnung von KKP aus den Studiencharts die Summe der drei Kanäle. Branchen- und Länderwerte vergleichen das erste Halbjahr (H1) 2026 mit H1 2025, Quartalswerte jeweils ein Quartal mit dem Vorjahresquartal.
Welche Branchen verlieren am meisten organischen Traffic?
Am stärksten verlieren die Finanz- und Versicherungsbranche mit minus 39,3 % und die Bildung mit minus 30,3 %, jeweils im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreshalbjahr. Von den zwölf Branchen weist die Studie sieben einzeln aus, die Werte reichen bis minus 7,5 % (Industrie). Die Finanzbranche verliert 4,9-mal so viel wie der Handel (Rechnung KKP).
Wie viele Websites je Branche einfließen, nennt die Studie nicht.
Welche Websites zur Kategorie „Finanz“ gehören, ob Banken, Versicherer oder andere Finanzanbieter, nennt die Studie nicht. Weil auch die Websitezahl je Branche fehlt, können einzelne große Websites den Branchenwert prägen, wie die Studie selbst für die Schweiz zeigt (Länderchart unten).
Wie hat sich der organische Traffic der Finanzbranche seit 2025 verändert?
Die Finanzbranche hat sich vom organischen Wachstum zum stärksten Rückgang aller ausgewiesenen Branchen entwickelt. In der ersten Ausgabe der Studie vom April 2026 wuchs ihr organischer Traffic im Vorjahresvergleich (Stand Dezember 2025) noch um 2 %, nur die Industrie lag mit plus 3 % darüber. Im Schnitt aller Branchen sank er damals um 4,2 %.
Vorjahresvergleich
Stand Dezember 2025
H1 2026 gegen H1 2025
stärkster Branchenrückgang
Ausgabe 1 zählt knapp 70 Unternehmen mit fast 100 Analytics-Properties, Ausgabe 2 zählt 74 Websites.
Zwischen beiden Werten liegen zwei Panels und zwei Zeiträume. Als exakte Zeitreihe taugt der Vergleich nicht, er zeigt nur, dass sich das Vorzeichen umgekehrt hat. Auch die Reihenfolge ist nicht stabil: Der Handel war in der ersten Ausgabe mit minus 12 % der größte Verlierer, in der zweiten gehört er zu den drei Branchen mit dem geringsten Rückgang.
Wie stark sinkt der organische Traffic 2026?
Im zweiten Quartal 2026 lag der organische Traffic des Panels 20,3 % unter dem Vorjahresquartal, im dritten Quartal 2025 waren es erst 2,2 %. Der Abstand zum Vorjahr wächst von Quartal zu Quartal, laut e-dialog seit Mitte 2025. Seit Anfang 2026 fällt Organic Search dabei stärker als der Gesamttraffic:
Im zweiten Quartal 2026 sank der Gesamttraffic zudem um 8,8 % gegenüber dem Vorquartal und lag 21,7 % unter dem Höchststand im vierten Quartal 2024. Unter den drei DACH-Ländern verliert Deutschland mit minus 19,2 % am meisten (H1 2026 gegen H1 2025). Für Länder weist die Studie nur den Gesamttraffic aus:
Warum verliert die Finanzbranche mehr organischen Traffic als andere?
Die Studie nennt für die Branchenunterschiede keine Ursache. Andere Studien deuten auf AI Overviews als einen Faktor hin, belegen ihn aber nicht. Erstens erscheinen AI Overviews, die KI-Antworten in der Google-Suche, bei Fragen fast viermal so häufig wie bei anderen Anfragen. Das zeigt Ahrefs für 146 Millionen Desktop-Suchergebnisseiten (SERPs) vom September 2025, ohne Angabe des Landes:
Dass AI Overviews Klicks kosten, zeigt SISTRIX für Deutschland (über 100 Mio. Keywords): Auf Position 1 liegt die Klickrate (CTR) im Schnitt bei 27 %, mit AI Overview bei 11 %, weil mehr Suchen ohne Klick enden (Zero Click). Insgesamt kosten AI Overviews laut SISTRIX rund 265 Millionen organische Klicks pro Monat, etwa 6,6 % aller organischen Klicks in Deutschland. Gestartet sind AI Overviews hier Ende März 2025 (laut SISTRIX ab Mai), der Rückgang im Panel beschleunigt sich laut e-dialog seit Mitte 2025. Das ist ein zeitliches Zusammentreffen, kein Beleg für eine Ursache, zumal das Panel nur teils aus Deutschland stammt.
Zweitens rücken KI-Antworten in die kaufnahe Recherche vor, vor allem bei kommerziellen Anfragen. Semrush zählt Finance zu den Branchen mit langen Recherchephasen vor der Entscheidung. Gerade dort nehmen AI Overviews zu (mehr im Artikel zu AI Overviews bei kommerziellen Keywords):
Gegen eine einfache Erklärung spricht: Die Ahrefs-Kategorie Finance liegt mit 24,9 % nur wenig über der Basisrate, Jobs & Education mit 18 % sogar darunter, obwohl Bildung im Panel 30,3 % verliert. Zum Handel passen die Daten (Shopping 3,2 % bei Ahrefs, Klickverlust laut SISTRIX bei Amazon 1,73 %, bei Idealo 0,85 %), doch in der ersten Ausgabe war er der größte Verlierer. Der Tourismus wiederum verliert 19,2 %, obwohl Booking.com laut SISTRIX nur 0,46 % seiner Klicks einbüßt. AI-Overview-Raten allein erklären die Reihenfolge also nicht, Marktumfeld oder Budgets bleiben mögliche Einflüsse.
Fangen KI-Traffic und Paid Search den Verlust auf?
Nein, keiner der beiden Kanäle. Die AI-Referrals wachsen als einziger Kanal stark: Laut Studie haben sie sich im ersten Halbjahr 2026 verdreifacht, nach Nachrechnung von KKP gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Ihr Anteil liegt trotzdem nur bei 0,9 % des erfassten Such- und KI-Traffics:
Laut e-dialog gehen organisch mehrere Millionen Sessions pro Quartal verloren, über AI-Referrals kommen einige Hunderttausend zurück. Ein Teil des KI-Traffics fehlt in dieser Rechnung: Besuche ohne Herkunftsangabe (Referrer), etwa aus Apps, landen in Analytics häufig unter Direct, und diesen Kanal erfasst die Studie nicht. An der Größenordnung ändert das nichts, der organische Verlust ist laut Ablesung aus dem Studienchart mehr als zehnmal so groß wie der Zuwachs der AI-Referrals.
Auch Paid Search gleicht nicht aus. In der ersten Ausgabe war der Kanal noch um 8,7 % gewachsen, in der zweiten verliert er ebenfalls, im ersten Halbjahr 2026 aber weniger stark als Organic Search. Im Handel sinkt Paid Search um 19,9 %, laut Studie vor allem durch gekürzte Google-Ads-Budgets einiger großer Websites.
Wie belastbar sind die Zahlen?
Die Zahlen zeigen Veränderungen in einem Panel von 74 Websites, nicht den Markt. Laut e-dialog ist die Studienreihe die erste Traffic-Studie im DACH-Raum, die auf echten Analytics-Konten statt auf Schätzungen beruht. Die Übersicht zeigt, was sie erfasst und was nicht:
Drei weitere Punkte schränken die Aussagekraft ein:
- KI-Anteile nicht vergleichbar. Die erste Ausgabe nannte 3,5 % KI-Anteil an allen Sessions, die zweite 0,9 %. Definition oder Nenner haben sich offenbar geändert.
- Gartner meint Suchvolumen. Die Studie zitiert eine Gartner-Prognose von minus 25 % bis Ende 2026. Gartner sprach im Februar 2024 aber vom Suchvolumen der Suchmaschinen, nicht vom Traffic auf Websites.
- Herausgeber ist Dienstleister. Die Agentur e-dialog ist Google-Partner und bietet am Ende der Studie ein AI Visibility Audit an. Es gibt kein Peer-Review, die Rohdaten sind nicht öffentlich. In sich sind die Charts stimmig: Die abgelesenen Kanalwerte ergeben die genannten 1,2 Milliarden Sessions und weichen von den Vorjahreswerten des Gesamttraffics um höchstens 0,2 Prozentpunkte ab (Nachrechnung KKP).
Was heißt das für Banken und Versicherer?
Für Banken und Versicherer heißt das: den Rückgang in den eigenen Daten aus Search Console und Analytics nachprüfen und zusätzlich messen, wie sichtbar die eigene Brand in KI-Antworten ist. Über einzelne Banken oder Versicherer sagt die Studie nichts. Sechs Arbeitsschritte folgen aus den Befunden:
Die KKP-Werte stammen aus dem Industry Report zur AI Visibility in der Bankenbranche mit 48.286 KI-Antworten zu 48 Banken und Fintechs. Für Versicherer steht die Messung im Industry Report zur AI Visibility in der Versicherungsbranche mit 271.215 KI-Antworten aus 14 Produktkategorien.
Welche Kennzahl zählt, wenn der organische Traffic sinkt?
Aus meiner Sicht braucht es neben den Sessions eine zweite Kennzahl: die Sichtbarkeit der eigenen Brand in KI-Antworten, je Produktkategorie. Der Panelwert von minus 20,3 % im zweiten Quartal verdeckt, wie ungleich der Rückgang verteilt ist. Finanzen und Bildung verlieren im ersten Halbjahr 39,3 und 30,3 %, das Panel im Schnitt rund 17 % (Rechnung KKP aus den Studiencharts). Beides sind beratungsintensive Endkundenmärkte, Semrush nennt sie als Beispiele für Entscheidungen mit langer Recherche. Die Ursache belegen die Daten nicht. Die Umkehr der Finanzbranche zwischen zwei Ausgaben der Studienreihe lese ich trotz Panelwechsel als Richtungswechsel, nicht als Schwankung.
Organic Search bleibt mit 64,6 % des erfassten Such- und KI-Traffics der größte Kanal (Q2 2026), wird aber kleiner. Die Sessions allein reichen als Steuerungsgröße deshalb nicht mehr. Genannt zu werden ist dabei nicht dasselbe wie empfohlen zu werden.
Wir bei KKP messen Nennung, Empfehlung und zitierte Quellen für Banken und Versicherer je Produktkategorie. Ein großer Teil der Sichtbarkeit entsteht nach unserer Einschätzung außerhalb der eigenen Domain, bei Versicherern vor allem auf Vergleichsportalen, bei Banken in Fachmedien. Bei Banken liegt zudem je Produktkategorie eine andere Brand vorn. Welche Kennzahlen sich für diese Messung eignen, beschreibt der Artikel zu den SEO-KPIs im KI-Zeitalter.
Häufige Fragen zum Rückgang des organischen Traffics
Wie stark ist der organische Traffic 2026 gesunken?
Im Panel der e-dialog-Traffic-Studie (74 Websites aus zwölf Branchen, DACH und international, 1,2 Mrd. Sessions) lag der organische Traffic im zweiten Quartal 2026 um 20,3 % unter dem Vorjahresquartal. Im dritten Quartal 2025 betrug der Rückgang erst 2,2 %. Der Abstand zum Vorjahresquartal ist seitdem in jedem Quartal größer geworden.
Warum verliert die Finanz- und Versicherungsbranche so viel organischen Traffic?
Die e-dialog-Studie misst für die Branche minus 39,3 % im ersten Halbjahr 2026, nennt aber keine Ursache. Ein möglicher Faktor sind AI Overviews: Laut Ahrefs (146 Mio. Desktop-SERPs) erscheinen sie bei 59,8 % der Anfragen nach Gründen, in der Kategorie Finance aber nur bei 24,9 %, knapp über dem Schnitt von 20,5 %. Laut Semrush stieg der Anteil kommerzieller Finance-Suchergebnisseiten mit AI Overview binnen sechs Monaten relativ um 231 %, auf 44 % (US-Desktop). Ein Beleg für die Ursache ist beides nicht.
Ersetzt KI-Traffic den Verlust aus der organischen Suche?
Nein. Laut e-dialog haben sich die AI-Referrals im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreshalbjahr verdreifacht, ihr Anteil liegt aber bei 0,9 % des erfassten Such- und KI-Traffics. Im zweiten Quartal 2026 kamen im Panel rund 17 Mio. organische Sessions weniger an als ein Jahr zuvor, über AI-Referrals rund 0,6 Mio. mehr (vom Studienchart abgelesen).
Wie stark senken AI Overviews die Klickrate in Deutschland?
Laut SISTRIX (über 100 Mio. Keywords, veröffentlicht 02/2026) liegt die Klickrate auf Position 1 im Durchschnitt bei 27 %, bei Keywords mit AI Overview bei 11 %. Über alle Suchen beziffert SISTRIX den Verlust auf rund 265 Mio. organische Klicks pro Monat, etwa 6,6 % aller organischen Klicks in Deutschland.
Was sollten Banken und Versicherer neben dem organischen Traffic messen?
Die Sichtbarkeit in KI-Antworten je Produktkategorie: ob die eigene Brand genannt und empfohlen wird und welche Quellen die Antworten zitieren. Im KKP Industry Report zur Bankenbranche (48.286 KI-Antworten) führt ING mit 35,2 % Share of Voice, also Anteil an den Nennungen, dominiert aber keine der fünf Produktkategorien. Bei Versicherungen nutzen 33,4 % von 271.215 KI-Antworten check24.de als Quelle.



