ChatGPT betreibt einen eigenen Suchindex. Intern heißt er Labrador, OpenAI baut ihn seit 2023 und hat ihn in zwölf Vertikal-Indizes aufgeteilt. Im kostenlosen Instant-Modus sucht ChatGPT fast ausschließlich dort und öffnet in 93 % der Antworten keine einzige Seite. Nur bei zahlenden Nutzern im Thinking-Modus stammen 75,3 % der abgerufenen Quellen aus gescraptem Google. Für deine Sichtbarkeit heißt das: Bing-Rankings taugen nicht mehr als Proxy, und über die Zitation entscheidet oft ein Snippet von rund 200 Zeichen um deine H1.
Woher wissen wir, dass ChatGPT einen eigenen Index hat?
Die Belege kommen aus zwei Richtungen: aus dem, was OpenAI selbst sagt und sucht, und aus dem, was sich in den Rohdaten von ChatGPT messen lässt. Peec AI hat den Index am 4. September 2026 anhand von Server-Events, Stellenanzeigen und einem eigenen Crawl-Test beschrieben. Eine Analyse auf Search Engine Land hat ihn bereits am 17. August 2026 vermessen, auf Basis von 1.200 ChatGPT-Antworten und 88.000 Suchergebnissen, die eine Browser-Extension aus dem Netzwerkverkehr mitgeschnitten hat.
Ob OpenAI das Ziel von 80 % aus dem eigenen Index erreicht hat, sagt die Aussage nicht. Der ChatGPT-Chef rechnet nach eigener Aussage mit mehr als fünf Jahren, um überhaupt festzustellen, ob eine vollständige Unabhängigkeit von Google machbar ist. Dazu passen OpenAIs Stellenanzeigen: gesucht werden Ingenieure für Indexsysteme und Retrieval-Pipelines sowie für Datenbanken im Exabyte-Maßstab, Multi-Region und Multi-Cloud. Der Index ist also kein Gerücht mehr, sondern ein laufendes Bauprojekt mit sichtbarem Fortschritt.
Welche Pipelines liefern ChatGPTs Suchergebnisse?
Vier Pipelines liefern die Ergebnisse: labrador, bright, oxylabs und serp. Bis in den Juli 2026 trug jedes Suchergebnis in ChatGPTs Rohdaten ein Feld namens result_source, das die Herkunft verriet:
Das Feld verschwand über Nacht. Seitdem erkennt die Search-Engine-Land-Analyse die Pipeline per Klassifikator an Formatierungs-Signaturen, mit rund 98 % Genauigkeit. Denn die Ergebnisse sehen je nach Herkunft anders aus: Labrador liefert den vollständigen Seitentitel, auch wenn er 289 Zeichen lang ist, plus ein Snippet von rund 200 Zeichen. Die Google-Pipeline Bright verhält sich wie Google selbst, kappt Titel bei etwa 60 Zeichen und nutzt Snippets von rund 160 Zeichen.
Dass ChatGPT Google tatsächlich abfragt, hat Peec AI gegengeprüft: Eine Website ohne jeden Traffic wurde ausschließlich in ChatGPT abgefragt, und die Google Search Console zeigte an genau diesen Tagen Zugriffsspitzen. Auch Bing ist nicht verschwunden, es taucht in den Server-Events im Deep-Research-Modus auf. Insgesamt zählt Peec AI mehr als acht Datenlieferanten, neben dem eigenen Crawler und den Google-Scrapern auch Yelp, TripAdvisor und Microsofts Web IQ.
Was steckt in Labrador?
Labrador ist kein einzelner Index, sondern eine Familie. Peec AI zählt zwölf spezialisierte Vertikal-Indizes. Der Index speichert den vollständigen Seiteninhalt, das Crawl-Datum und das Publikationsdatum:
Welcher Bot Labrador befüllt, ist offen. In den Logs der Search-Engine-Land-Analyse war der OAI-SearchBot nahezu still, während der Index weiter Ergebnisse lieferte. Log-Monitoring allein auf den bekannten User-Agent kann den Aufbau des Index deshalb unterschätzen. Mehr zur Abrufmechanik von KI-Systemen steht im Artikel zu Retrieval Augmented Generation.
Suchen Free- und Paid-Nutzer wirklich auf verschiedenen Pfaden?
Ja, und das ist der Befund mit den größten Folgen. Die Search-Engine-Land-Analyse hat die Quellenverteilung nach Modus getrennt. Der kostenlose Instant-Modus nutzt laut Analyse praktisch nur Labrador. Der Thinking-Modus des Free-Tiers (in der Analyse „Free Think“) zieht 74,7 % seiner Quellen aus Labrador. Der Thinking-Modus zahlender Nutzer arbeitet spiegelbildlich, 75,3 % der abgerufenen Quellen stammen dort aus gescraptem Google:
Dahinter steckt Ökonomie. Der Instant-Modus antwortet in unter fünf Sekunden, holt rund elf Suchergebnisse aus dem eigenen Index und öffnet in 93 % der Fälle keine einzige Seite. Die Kosten für OpenAI liegen nahe null. Der Thinking-Modus ruft rund 100 Ergebnisse über etwa 28 Domains pro Konversation ab, gegenüber rund elf im Instant-Modus, scrapt Google über Bright und öffnet echte Seiten. Diese Live-Opens dokumentiert die Analyse nur im bezahlten Thinking-Modus. Von den geöffneten Seiten werden 74 % zitiert, von den abgerufenen, aber nicht geöffneten nur 7 %.
Anteil der ChatGPT-Nutzer · Search Engine Land
Taugt Bing noch als Proxy für ChatGPT-Sichtbarkeit?
Nein. Zwei Jahre lang galt: Wer in Bing gut steht, steht auch in ChatGPT gut. Die Search-Engine-Land-Analyse hat das an denselben Fan-Out-Queries geprüft. Nur 1,5 % der Labrador-URLs tauchen in Bings Top 20 auf, eine Überschneidung der Snippets gibt es gar nicht:
Bing-Rankings taugen damit nicht mehr als Proxy für ChatGPT-Sichtbarkeit. Wer seine ChatGPT-Strategie an der Bing-Sichtbarkeit ausrichtet, optimiert für einen Index, den die Mehrheit der ChatGPT-Nutzer kaum zu sehen bekommt. Welche Kennzahlen stattdessen tragen, steht im Artikel zu den SEO-KPIs im KI-Zeitalter.
Was sieht Labrador von deiner Seite?
Labrador sieht den ungekürzten Titel und ein Snippet von rund 200 Zeichen um die H1, die Meta-Description nicht. Das Snippet ist für jede Anfrage gleich. Genau diese Unterschiede zur Google-Pipeline entscheiden darüber, ob deine Seite eine Chance auf ein Zitat hat:
Das Labrador-Snippet ist query-unabhängig: Es enthält den Text rund um die H1 und nimmt mit, was dort steht, also auch Kategorie-Labels, Alt-Texte, Autorenzeilen, Datumsangaben oder ein Inhaltsverzeichnis. Ein dokumentierter Fall bestand zu 100 % aus dem Inhaltsverzeichnis und zu 0 % aus dem eigentlichen Text. Im Instant-Modus sind Titel und diese rund 200 Zeichen meist alles, was ChatGPT von deiner Seite sieht.
Die Search-Engine-Land-Analyse beschreibt drei Schichten: den Index, den Reading-Cache und die Live-Opens im Thinking-Modus. Die zweite Schicht ist der Cache. Öffnet ChatGPT eine Seite, speichert es eine vollständige Kopie als Markdown, geteilt über alle Nutzer und Abo-Stufen. Die Regeln dieses Caches sind unbequem:
- Eine Kopie gilt rund 30 Minuten als frisch. Danach wird die alte Kopie sofort ausgeliefert und erst im Hintergrund für den nächsten Nutzer erneuert. Dokumentiert sind Kopien, die über 90 Tage alt waren.
- Seiten über 4 MB werden nicht gekürzt, sondern komplett abgelehnt. JavaScript wird nicht ausgeführt, clientseitig geladener Inhalt bleibt unsichtbar.
- Scripts, iframes und JSON-LD werden beim Konvertieren entfernt. Strukturierte Daten erreichen das Modell nie. Alt-Texte überleben, per CSS versteckter Text ebenfalls.
- Der Cache ignoriert noindex und Cache-Control: no-store.
Und ein Detail, das kaum jemand nutzt: Über einen undokumentierten Parameter der API lässt sich das Crawl-Datum der gecachten Kopie abfragen. Wer die eigenen Seiten so abruft, sieht, wann ein ChatGPT-Nutzer die Seite zuletzt hat lesen lassen. Das ist eine fast kostenlose Sichtbarkeitsmetrik, die bisher niemand auswertet. Umgekehrt hinterlassen die Seiten, die ChatGPT im Thinking-Modus selbst öffnet, keinen UTM-Parameter in den angezeigten Zitaten. Sichtbar werden sie nur im Server-Log über den User-Agent ChatGPT-User.
Was heißt das konkret für deine Inhalte?
Die Regeln des eigenen Index lassen sich direkt in Arbeitsanweisungen übersetzen. Acht Hebel, die auf Labrador einzahlen und den Google-Pipelines nicht schaden:
Das ist keine Abkehr vom bisherigen Handwerk. Wer seine Inhalte nach dem BLUF-Prinzip baut, also mit der Antwort zuerst, erfüllt die wichtigste Labrador-Regel bereits. Neu ist die Härte: Bei Google entscheidet ein Ranking über viel oder wenig Sichtbarkeit. Bei Labrador entscheidet ein Snippet darüber, ob deine Seite für die Mehrheit der ChatGPT-Nutzer existiert. Wie wir das für Finanz- und Versicherungsmarken systematisch angehen, zeigt unsere AI-Search-Beratung.
Wie belastbar sind die Zahlen?
Die Richtung ist belastbar, die Nachkommastelle nicht. Beide Analysen benennen ihre Grenzen offen: Die Search-Engine-Land-Zahlen stammen aus einer einzelnen Browser-Extension und 1.200 Antworten, die Peec-Rohdaten decken den Zeitraum vom 21. Mai bis 21. Juli 2026 ab. Das Feld result_source ist, wie beschrieben, über Nacht verschwunden, die Shopping-Lieferanten wurden in derselben Woche anonymisiert, und Google-Shopping-Tokens wechselten innerhalb von vier Tagen von lesbar zu verschlüsselt. Peec AI beschreibt ein System, das wöchentlich umgebaut wird.
Dass OpenAI einen eigenen Index betreibt, ist durch Zeugenaussage, Stellenanzeigen, Rohdaten und Crawl-Test mehrfach belegt. Ob der Free-Think-Anteil in drei Monaten bei 74,7 % oder bei 60 % liegt, entscheidet der nächste Umbau. Wer darauf baut, sollte deshalb kontinuierlich messen statt einmal zu optimieren.
FAQ: Häufige Fragen zu ChatGPTs eigenem Suchindex
Was ist Labrador bei ChatGPT?
Labrador ist der interne Name für OpenAIs eigenen Suchindex. In den Rohdaten von ChatGPT tauchte er bis Juli 2026 im Feld result_source auf, neben den Google-Scrapern Bright und Oxylabs. Laut Peec AI besteht Labrador aus zwölf Vertikal-Indizes, etwa für das offene Web, PDFs, YouTube, News, Wikipedia, Finance, Legal, Medical und Shopping. Gespeichert werden der vollständige Seiteninhalt, das Crawl-Datum und das Publikationsdatum.
Nutzt ChatGPT noch Bing oder Google?
Beides, aber anders als lange angenommen. Im kostenlosen Instant-Modus sucht ChatGPT fast ausschließlich im eigenen Index Labrador. Im bezahlten Thinking-Modus stammen 75,3 % der abgerufenen Quellen aus gescraptem Google. Bing taucht laut Peec AI im Deep-Research-Modus auf. Nur 1,5 % der Labrador-URLs stehen für dieselben Fan-Out-Queries in Bings Top 20, Bing-Rankings sind deshalb kein Proxy für ChatGPT-Sichtbarkeit mehr.
Sieht ChatGPT meine Meta-Description?
Der eigene Index Labrador ignoriert die Meta-Description komplett. Er liefert den ungekürzten Titel und ein Snippet von rund 200 Zeichen, das an der H1 verankert ist und für jede Suchanfrage gleich bleibt. Die Google-Pipelines nutzen die Meta-Description dagegen etwa in einem von drei Fällen. Lösche sie also nicht, aber verlasse dich nicht darauf.
Muss ich für den Free- und den Paid-Modus getrennt optimieren?
Du solltest zumindest getrennt messen. Mehr als 90 % der ChatGPT-Nutzer sind im Free-Tier, und dort entscheidet Labrador mit seinem 200-Zeichen-Snippet. Im Paid-Thinking-Modus zählen dagegen gescrapte Google-Ergebnisse und echte Seitenaufrufe. Wer nur eingeloggt im Paid-Modus prüft, sieht nicht, was die Mehrheit der Nutzer bekommt.
Hilft noindex gegen den ChatGPT-Cache?
Nein. Der Reading-Cache von ChatGPT ignoriert laut der Search-Engine-Land-Analyse sowohl noindex als auch Cache-Control: no-store. Seitenkopien gelten rund 30 Minuten als frisch, werden danach trotzdem ausgeliefert und im Hintergrund erneuert. Dokumentiert sind Kopien, die über 90 Tage alt waren. Ein wirksamer Ausschluss aus dem Cache ist in der Analyse nicht dokumentiert.
Was ist der erste Hebel für Sichtbarkeit in ChatGPT?
Die Kernaussage einer Seite gehört direkt hinter die H1. Im Instant-Modus öffnet ChatGPT in 93 % der Antworten keine Seite, es sieht nur Titel und die rund 200 Zeichen um die Überschrift. Was dort nicht steht, existiert für die Mehrheit der Nutzer nicht. Dazu kommen ein Titel, der als ganzer Satz funktioniert, Inhalte ohne JavaScript und Seiten unter 4 MB.
